BIONTECH SE-ADR (22UA.F) — Diskussion

Wenn der Cash-Polster so dick ist, schaut der Markt zurecht auf die Umsetzung statt auf die Bilanz. Aber 16 Milliarden nützen nichts, wenn die Onkologie-Daten weiter auf sich warten lassen und die Kurve seitwärts dümpelt. Ich sehe im Chart erst unter 75 Euro wieder richtig Luft nach unten – bis dahin ist das Geduldspiel mit den Studienergebnissen riskanter als der aktuelle Kurs vermuten lässt.

Ich hab die schon zweimal nachgekauft und jedes Mal tiefer in den Keller gegriffen. Der Laden steht bei 79,90 und der 50-Tage-Schnitt liegt quasi drauf — da fehlt mir schlicht das Signal für ne klare Richtung. Oelkers mag ja der richtige Mann sein, aber bis der 2027 übernimmt, verbrennen die weiter Cash.

Naja, 16,6 Milliarden Cash und die Aktie dümpelt bei 80 Euro rum. Die Onkologie-Daten müssen halt endlich mal liefern, sonst bleibt das ein ewiges Geduldsspiel.

Kann mir jemand erklären, warum der Kurs steigt obwohl die Gründer gehen und die Zahlen schlecht sind? Ist doch komisch, oder ist das bei sowas normal?

Kurs ist halt keine Fundamentaldaten-Abstimmung, sondern eine Wette auf die September-Daten. Charts zeigen den Ausbruch über den Widerstand, da wird der Moderna-Effekt einfach mitgezogen, bis die eigenen Zahlen kommen.

RSI bei 78 und die Aktie 24% im Plus — da ist die September-Nagelprobe schon eingepreist. Enttäuschen die Seoul-Daten, wirds ungemütlich, die Bäume wachsen nicht in den Himmel.

Seoul-Daten entscheiden, der Rest ist Spekulation.

Das ist doch alles eingepreist. Umsatz woher? Covid ist nicht mehr und Onkologie noch nicht. Und dass Sahin geht wissen wir auch schon lange, auch dass er was eigenes aufbauen will und dazu Geld braucht. Also wo ist das Problem? Sicher, jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf den OnkologieDurchbruch. Die einen haben sie, die anderen nicht. Jeder nach seiner Fassong

Die 50-Tage-Linie bei 82,50 Euro ist durchbrochen, das sieht nach einem klaren Test der 78er-Marke aus. Ohne Rückeroberung der 85er-Zone bleibt der Chart schwach.

Andere setzen schon jetzt drauf, siehe aktuellen Kurs

Impfstoff hin, Krebs her, ich versteh nicht, warum die Aktie nach dieser Überlebenszahl noch so lustlos rumdümpelt.

Weil der Markt erst die nächste Zahl abwartet. Immer dasselbe.

18,5 gegen 10 Monate Überleben und die Aktie macht trotzdem keinen Satz nach oben, das raffe ich nicht. Der Markt schaut lieber auf die schrumpfenden Impferlöse als auf die Krebsdaten :wink: Vielleicht brauchts einfach noch ein paar Jahre und ein paar Zahlen, bis es klick macht

Im Gespräch mit Dieter Jaworski sehe ich einige falsche Grundannahmen.
Da wird zunächst das Scheitern der Darmkrebsstudie BNT122 angeführt. Okay. Aber ich hatte diese Studie vorher auch nie als eine der entscheidenden Hoffnungsstudien wahrgenommen, sondern als einen Versuch von vielen. Vor allem lässt sich daraus wenig über andere BioNTech-Wirkstoffe ableiten, die auf ganz anderen Wirkmechanismen beruhen.
Dann wird der Eindruck erweckt, dass nach dem Auslaufen der Pandemie fast alles am Gelingen der Gotistobart-Studie hängt. Aber da gibt es auch noch die ganz große Hoffnung auf Pumitamig, dazu Elfetabart Drozuntecan und etliche weitere Programme. BioNTech hat inzwischen 14 zulassungsrelevante Studien laufen.
Pumitamig, Gotistobart, die ADCs und die mRNA-Kandidaten beruhen auf sehr unterschiedlichen Technologien. Es müsste also schon einiges schiefgehen, damit die gesamte Onkologiepipeline scheitert.

Auch die Kritik an den sieben Analystenhäusern, die allesamt zum Kauf raten, finde ich etwas merkwürdig. Natürlich können Analysten irren, und sieben positive Einschätzungen sind keine Garantie für irgendetwas. Aber wenn man praktisch dem gesamten Analystenkonsens vorwirft, das Risiko eines Scheiterns der Onkologie nicht richtig zu berücksichtigen, müsste man schon sehr überzeugend begründen, weshalb die eigene Einschätzung realistischer sein soll.

Natürlich sind im Moment die Umsätze von BioNTech schlecht. Wie sollte es auch anders sein? Die außergewöhnlichen Einnahmen aus der Pandemie gehen zurück, während gleichzeitig noch keines der neuen Onkologiemedikamente zugelassen ist. BioNTech befindet sich also genau in der seit Jahren absehbaren Übergangsphase zwischen dem Covid-Geschäft und einem möglichen zukünftigen Onkologiegeschäft.
Entscheidend ist deshalb doch, ob BioNTech finanziell in der Lage ist, diese Übergangszeit durchzustehen und seine zahlreichen Studien bis zur Entscheidung zu finanzieren. Und genau hier unterscheidet sich BioNTech von vielen anderen Biotech-Unternehmen erheblich: Das Unternehmen ist nicht auf eine Kreditüberbrückung oder ständig neue Kapitalerhöhungen angewiesen, sondern verfügt weiterhin über Finanzmittel in zweistelliger Milliardenhöhe. Offenbar ist sogar genügend Geld vorhanden, um zusätzlich ein großes Aktienrückkaufprogramm durchzuführen.
Deshalb wundert mich besonders die Aussage: „In diesem Fall zählt nur noch Substanz. Und die ist dünn.“
Was ist denn hier mit „Substanz“ gemeint? Selbst wenn man einmal das ausgesprochen pessimistische Szenario annimmt, dass die Onkologieentwicklung weitgehend scheitert, verschwinden die vorhandenen Milliarden ja nicht über Nacht. Natürlich würde BioNTech bis dahin weitere Milliarden für Forschung und Entwicklung ausgeben und der Aktienkurs würde in einem solchen Szenario wahrscheinlich erheblich leiden. Aber ein Unternehmen mit einer solchen finanziellen Reserve als Unternehmen mit „dünner Substanz“ zu bezeichnen, erscheint mir zumindest erklärungsbedürftig.
Und zum gegenwärtigen Unternehmenswert gehört eben nicht nur Bargeld. Dazu kommen die vorhandenen Technologien, Patente, Produktionsstrukturen, Partnerschaften und vor allem eine breite klinische Pipeline.
Natürlich kann BioNTech in der Onkologie scheitern. Nichts ist unmöglich. Genauso wenig kann jemand heute garantieren, dass Pumitamig, Gotistobart oder Elfetabart allesamt zugelassen werden.
Aber gerade weil BioNTech inzwischen auf mehrere unterschiedliche Wirkstoffe und Technologien setzt und gleichzeitig über die finanziellen Mittel verfügt, diese Programme weiterzuentwickeln, erscheint mir das im Gespräch gezeichnete Bild deutlich zu pessimistisch.

Wer bei gefüllten Kassen und so vielen Studien von dünner Substanz redet, sucht doch krampfhaft das Haar in der Suppe. Bei dem Polster können andere Biotechs nur neidisch werden.

Ich beziehe mich auf diesen Artikel:
BioNTech Aktie: Der Konsens modelliert das Scheitern der Onkologie überhaupt nicht BioNTech Aktie: Der Konsens modelliert das Scheitern der Onkologie überhaupt nicht

ich versteh nicht, warum die Sahin-Verkäufe immer so ein Theater sind. Der Mann hängt mit seiner Medine GmbH doch weiter dick drin, das ist doch alles über einen Handelsplan gelaufen, den er im Juni aufgesetzt hat. Dass der jetzt bei null steht, heißt doch nur, dass der Plan abgearbeitet ist, nicht dass er die Firma abschreibt. Aber klar, die Schlagzeile “Sahins Direktbestand sinkt auf null” liest sich besser als “automatischer Verkauf wie seit Monaten geplant”. Hauptsache Panik im Forum

Ein Handelsplan, den er Monate vorher aufgesetzt hat, ist halt auch eine schöne Geschichte, die man hinterher erzählt. Ich hab in den Jahren genug Insider-Verkäufe gesehen, die im Nachhinein immer “geplant” waren und zufällig kurz vor miesen Zahlen liefen. Ob bei ihm was dran ist, weiß ich nicht, aber dieses Reflexhafte “ist doch alles halb so wild” bei jedem Verkauf find ich genauso anstrengend wie die Panik-Fraktion in der anderen Richtung. Die eigentliche Hausaufgabe steht doch in den Zahlen: zwei Programme eingestellt, drei Werke dicht bis 2028, und dann sagt der Chef “höchstwahrscheinlich wirksam”. Höchstwahrscheinlich. Das ist die Sorte Ankündigung, die ich nicht ernst nehme.

Bei allem momentanen Frust sollte man eines nicht übersehen:
Die derzeit größten Hoffnungsträger von BioNTech – Pumitamig, Gotistobart und verschiedene Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) – sind keine mRNA-basierten Krebsmedikamente.
Die Entwicklung neuer mRNA-Technologien soll künftig vor allem Şahins und Türecis Unternehmen Arife vorantreiben, während BioNTech sich verstärkt auf die Zulassung und Vermarktung seiner bereits fortgeschrittenen Krebsmedikamente konzentriert.
Ein Rückschlag in der mRNA-Forschung bedeutet deshalb noch lange kein Scheitern der Onkologiestrategie von BioNTech.

Man hat sich jahrelang derart auf das Kürzel mRNA versteift, dass alles andere daneben wie Beiwerk wirkt. Dabei ist mir eine nüchterne Zulassungsstrategie bei Pumitamig oder den Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten deutlich lieber als die nächste Labor-Euphorie, die erst noch den Beweis antreten muss. Das klingt für das Publikum vielleicht weniger revolutionär, aber in der Onkologie gewinnt selten die lauteste Schlagzeile, sondern der sauberste klinische Nachweis. Ein bisschen Realismus abseits des ursprünglichen Hypes schadet da sicher niemandem.