Siemens Energy AG (ENR) — Diskussion

Dass ausgerechnet das alte Turbinengeschäft die verlässliche Ertragsquelle sein soll, wundert mich ein wenig, weil genau dieses langweilige Kerngeschäft in den Debatten um die Energiewende ja kaum noch jemand auf dem Schirm hat. Ich für meinen Teil bleibe beim Sparplan und schaue mir das Spektakel lieber von der Seitenlinie an.

Zwei Analystenhäuser, ein Freitag, und beide trauen dem Laden mehr Ergebnis zu als der Konsens. Das eine sagt Halten mit angehobenem fairen Wert, das andere Outperform mit Kursziel 200. Ich les da weniger eine Einschätzung als eine Wette darauf, ob die Zahlen im November die Erwartung bestätigen oder nicht. Und dazwischen wird munter von einem Verkauf geredet, dessen Finanzierung angeblich vorbereitet wird, während der eigentliche Verkauf noch gar nicht bestätigt ist. Schöne Blase, bis der erste verbindliche Vertrag auftaucht. Ich halte mich da lieber an das, was tatsächlich auf dem Tisch liegt, statt an das, was vorbereitet wird.

Die Rückkäufe laufen und die Analysten heben die Ziele - aber keiner kauft.

Ich les aus zwei Hochstufungen im selben Atemzug auch eher ein Würfelspiel als eine Analyse, und die 200 auf der einen Seite klingen für mich nach Wunschdenken mit Taschenrechner. Die 7 Mrd Finanzierungspaket gegen 10 Mrd Bewertung sind halt zwei verschiedene Schuhe, das wird in den Schlagzeilen gern verwischt. Und die 3,2% am Freitag? Kann der Bericht gewesen sein, kann auch einfach ein guter Tag gewesen sein, weiß keiner so genau. Ich halt mich an das, was auf dem Papier steht, nicht an das, was irgendwer vorbereitet, sonst rechne ich mir am Ende selbst die Rendite schön und wunder mich, warum nix passiert. Bis November heißt es also: Tee trinken und den Chart anschauen

Ein Aufsichtsrat kauft ein Derivat, keinen Aktienkauf, und das erfahren wir vom Unternehmen selbst. Bei den Rückkäufen steht die genaue Zahl im Bericht, aber wer liest das schon.

Wenn ein Kursziel von 200 Euro bestätigt wird und tags drauf die Aktie wegen ein paar Zins- und KI-Sorgen in den Keller rauscht, dann weiß man wieder, warum man sich Analystenziele besser an die Stallwand hängt. Ich schau mir das seit Jahren an: die Rechnung ist immer die gleiche. Der Markt bezahlt heute die Geschichte vom Strom für die Rechenzentren, und morgen erschrickt er über die Zinsen, mit denen diese Geschichte finanziert wird. Beides steht im selben Bericht, oft am selben Tag, und trotzdem tun alle so, als hätte sich am Geschäft was geändert. Beim Futterkaufen fragt mich auch keiner nach dem fairen Wert. Der 11. November ist das Einzige, was mich hier interessiert, bis dahin ist das Rauschen.

Derivat statt Aktie, und dann noch freiwillig gemeldet. Die reinste Transparenzshow.

Zwei Hochstufungen und trotzdem kein Käufer, riecht das für euch nicht auch nach Analysten, die ihr eigenes Kursziel nicht ernst nehmen? :wink:

Hochstufungen sind doch das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Kaum fällt der Kurs, kommt die nächste “Kauf”-Keule, und keiner greift zu. Ich hab sowas früher auch mal für bare Münze genommen, bis ich gemerkt hab: das Kursziel wird meistens nach dem Kurs geschoben, nicht vorher. 14 Prozent runter in zwei Tagen, Support gebrochen, und die Analysten tun so, als wär nix. Die dürfen halt nicht zugeben, dass die Rally längst die Fantasie vorweggenommen hat. Von mir aus sollen sie hochstufen, bis der Arzt kommt, der Markt liest offenbar was anderes im Chart!

Was wäre euch lieber: Fokus aufs Kerngeschäft oder die Sparte behalten?

Rund ein Fünftel des Auftragseingangs von 17,9 Mrd. Euro im Quartal April bis Juni 2026 kam aus dem Rechenzentrumsbereich - genau dort setzen die Zinssorgen an.

Dass Siemens Energy eigene Aktien kauft, sagt nichts darüber, ob das Geschäft den Ausblick erfüllt - genau das verwechseln viele.

Nach der Einziehung bleiben 850.000.000 Stückaktien übrig - 11.104.914 eigene Aktien verschwinden also aus der Zahl. Ob das den Kurs stützt, hängt davon ab, wie der Markt die Finanzierungssorgen beim KI-Ausbau gewichtet.

Zwei Finanzierungsfragen treffen bei Siemens Energy aufeinander: Kreditsorgen für KI-Rechenzentren und mögliche Übernahmekredite für die Industriesparte. Welche der beiden haltet ihr für den wichtigeren Kursfaktor?

Bis zu 2 Mrd. € umfasst die dritte Rückkauftranche, die bis spätestens 31.03.2027 läuft - ein Rahmen für die Kapitalmaßnahme, keine Aussage zum laufenden Geschäft.

jetzt kaufen die auch noch eigene Aktien zurück, aber was hilft das, wenn der Markt wegen ein paar Finanzierungssorgen bei KI-Rechenzentren in Panik verfällt, die 1.096.894 Stück sind doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Was macht einen Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro wert, wenn die Aktie trotzdem nachgibt?

Wenn ich die Berichte richtig lese, war der Kursrutsch gestern gar keine Siemens-Energy-Nachricht, sondern eine Barclays-Studie über die ganze Branche (Stichwort Preismacht bei KI-Kunden). Und jetzt? Wird munter alles in einen Topf geworfen, Zinsen, Rechenzentren, Analystenstudie, Spartenverkauf. Mich würde mal interessieren, wie ihr das auseinanderhaltet: Ist der Druck auf die Marge bei Ausrüstern wirklich so ein Thema, oder redet sich da jemand die nächste Korrektur schön? Ich frag deshalb so blöd, weil ich bei solchen Gemengelagen regelmäßig den Überblick verliere und am Ende nur noch auf den Chart starre, der mir auch nicht weiterhilft.

Woran macht ihr künftige Margen im KI-Geschäft fest, wenn mögliche Aufträge noch unbestätigt sind?

Der Rückkauf ist doch eher ein Signal als echte Stütze. Interessanter find ich ob CVC oder Bain bei der Sparte wirklich zuschlägt.