Commerzbank AG (CBK) — Diskussion

Berlin will deutsche Identität sichern, aber ob das bei einem italienischen Käufer mit echtem strategischem Interesse mehr als Symbolpolitik ist, darf bezweifelt werden. Der laufende Rückkauf über 1,2 Milliarden Euro macht die Bank für UniCredit eher teurer als günstiger.

Bettina Orlopp macht ihren Vertrag bis 2029 von der Strategie-Einigkeit abhängig, während UniCredit längst als faktischer Kontrollaktionär gehandelt wird und der Bund mit 12 Prozent noch seine Bedingungen durchdrücken will. Ein Rückkauf über 1,2 Milliarden und 3,4 Milliarden Gewinnprognose sind ein starkes Pfund, aber ob das reicht, um Frankfurt als Standort und die Unabhängigkeit gleichzeitig zu sichern, ist offen. Bei 43 Euro und nur 0,2 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch preist der Markt schon viel Optimismus ein.

Orlopp bindet ihren Vertrag an die Einigung mit UniCredit. Klingt für mich eher nach Druckmittel als nach Überzeugung. mMn pokert sie hoch, weil sie sonst nichts in der Hand hat.

Die Führungsfrage wird jetzt zur Übernahmefrage, und Orlopp verknüpft ihr Mandat geschickt mit der strategischen Ausrichtung. 1,2 Milliarden für Rückkäufe, während der Kurs 0,2 Prozent unter dem Rekordhoch steht, das ist ein ordentliches Signal an UniCredit, was die Beteiligung eigentlich wert ist.

Montag in Berlin, und plötzlich hängt die Zukunft der ganzen Bank an einem Gespräch. Dass der Widerstand still und leise aufgegeben wurde, sagt mehr über den Druck als über die Strategie.

Naja, bei einem KGV von rund 7 und einer Eigenkapitalrendite, die sich deutlich verbessert hat, ist die Bewertung für eine Bank eigentlich nicht verrückt. Die Ausschüttung von 3,2 Milliarden ist ordentlich, der Rückkauf stützt zusätzlich. Aber der ganze Kursanstieg hängt eben fast nur an der Übernahmefantasie. Wenn Orcel am Montag abblitzt oder die Verhandlungen stocken, dann fällt das Papier schnell wieder auf 35 Euro zurück, da bin ich mir ziemlich sicher. Zu dem Preis steig ich persönlich nicht ein, ich warte lieber auf einen Rücksetzer.

Dass Orlopp ihren Vertrag an eine Einigung mit dem Aufsichtsrat knüpft, ist ein starkes Stück, normalerweise ist es umgekehrt. Bei 20 Prozent Abstand zum 200-Tage-Schnitt ist die Übernahmefantasie längst eingepreist, die Führungsfrage dagegen noch nicht.

Macht es Sinn dass Berlin ein Listing erzwingt, wenn Orcel längst am Drücker ist?

Orcel und Klingbeil am selben Tisch, das hätte vor zwei Jahren noch niemand geglaubt. Der Bund hält 12 Prozent und verhandelt jetzt selbst mit, statt nur aus Wiesbaden zu blocken. Bei 3,4 Milliarden Gewinnprognose und fast 50 Prozent Stimmrechtszugriff fragt man sich, was Orlopp strategisch überhaupt noch in der Hand hat.

Wann ist bei einem Rückkauf von 2,24 Millionen eigenen Aktien eigentlich der Punkt erreicht, an dem die Übernahmefrage wichtiger wird als das Programm selbst?

Bin bei dir, dass Orcel längst Fakten geschaffen hat und Berlin da nur noch hinterherläuft. Ein erzwungenes Listing ändert nichts daran, dass UniCredit mit knapp 50 Prozent der Stimmrechte schon am Steuer sitzt. Der Bund sollte lieber die Bedingungen für Frankfurt sauber aushandeln, statt jetzt noch Symbolpolitik mit einem Listing zu versuchen. Das kommt zwei Jahre zu spät und stärkt nur die Position von Orcel.

:chart_increasing: Commerzbank: Neues 52-Wochen-Hoch erreicht!

Commerzbank hat heute ein neues 52-Wochen-Hoch von 43.34 EUR erreicht. Das vorherige Hoch lag bei 43.12 EUR.

Ein Kurs auf Zehnjahreshoch, während hinter den Kulissen offenbar um die Führungsspitze gestritten wird: Der Markt scheint den Personalstreit bei der Commerzbank derzeit schlicht auszublenden.