EVONIK INDUSTRIES AG (EVK) — Diskussion

Dass ein Gewerkschaftschef gleichzeitig im Aufsichtsrat des einen und im Umfeld des anderen Chemiekonzerns sitzt, lässt sich kaum sauber trennen. Vassiliadis hat sich bei BASF aus den Beratungen zurückgezogen, doch die Treuepflicht gegenüber beiden Häusern bleibt bestehen. Ob dieser Rückzug ausreicht, um die Arbeitnehmerseite glaubwürdig zu vertreten, ist eine Frage, über die man streiten kann.

Eine Hochstufung auf „Hold“ sagt vor allem eines: Das Schlimmste wird nicht mehr erwartet.

Dass Evonik 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig ablehnt, ist konsequent - ob der Markt diese Haltung nach der 55-Prozent-Rally noch belohnt, ist offen.

:chart_increasing: Evonik: Neues 52-Wochen-Hoch erreicht!

Evonik hat heute ein neues 52-Wochen-Hoch von 21.00 EUR erreicht. Das vorherige Hoch lag bei 20.98 EUR.

Berenberg von Sell auf Hold, nach 55% YTD. Timing ist alles.

Ob eine Landesbeteiligung eine Übernahme wirklich verhindert, hängt allein daran, ob BASF bereit ist, mehr zu zahlen als politisch verkraftbar.

Die Übernahmefantasie treibt die Aktie, doch Evonik selbst sagt, es laufen keine Verhandlungen. Wie passt das zusammen mit einer Offerte über 10,3 Milliarden Euro, die als zu niedrig zurückgewiesen wurde? Und was macht das mit der Geduld der Aktionäre?

Wer bei Evonik auf eine schnelle Einigung setzt, verwechselt Verhandlungsgeschick mit Zeitdruck.

Lässt BASF nachlegen oder war es das schon?

Die Aktie steht bei 21,42 Euro und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 21,62 Euro, das sie erst am selben Tag erreicht hatte. Dass dieser Wert so nah an der Bestmarke liegt, obwohl die operative Lage des Konzerns noch offen ist, dürfte weniger mit dem Geschäft als mit dem Übernahmepoker zu tun haben. Ob der politische Widerstand aus Düsseldorf und ein möglicherweise nachgebessertes Gebot den Kurs dauerhaft tragen, ist damit die eigentliche Streitfrage.

Worauf schaut ihr am 3. November zuerst?